Kritik des Staatsfeminismus


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  • Ort: SFE 2

Buchvorstellung mit Lilly Lent und Andrea Trumann

Keine Verwaltung und kein Unternehmen kommt noch ohne »Gender-Training« aus, in Stellenausschreibungen werden Frauen oftmals »bei gleicher Qualifikation bevorzugt«, und die Forderung nach Frauenquoten hat selbst die CDU erreicht. Durch garantierte Kitaplätze und Elterngeld soll zudem die »Vereinbarkeit von Beruf und Familie« erleichtert werden. Gleichstellungspolitik erscheint als zentrales Anliegen staatlicher Politik; und unter dem Label »Diversity Management« setzen Unternehmen zunehmend auf besondere »weibliche Kompetenzen«. »Gender Mainstreaming« so weit das Auge reicht.

Während »Alphamädchen« und »Powerfrauen« ihre Karrieren vorantreiben, gerät die dunkle Seite dieser »Emanzipation« aus dem Blick: Von der neoliberalen Umverteilungs- und Verarmungspolitik sind vor allem Frauen betroffen, wenn etwa das Elterngeld faktisch nicht an Hartz-IV-Empfänger_innen (oftmals alleinerziehende Mütter) gezahlt wird. Der in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch ausgeweitete Niedriglohnsektor ist vor allem weiblich, und unbezahlte oder schlecht entlohnte Sorge- und Pflegearbeit wird weiterhin meist von Frauen getragen. Trotz aller Bereitschaft zur »Selbstoptimierung« scheint der Weg in die Altersarmut für viele Frauen also vorgezeichnet – erst recht seit der Neuregelung des Unterhaltsrechts 2008.

Lilly Lent und Andrea Trumann ziehen in ihrem Buch kritisch Bilanz: Was ist nach vierzig Jahren Frauenbewegung aus ihren Forderungen und Visionen geworden? Und welche Rolle spielt die Frauen-, Arbeits- und Familienpolitik im Kapitalismus der Gegenwart?