„Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Perspektiven“ – Buchvorstellung und Diskussion mit Rüdiger Lautmann


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Die von Ärzten begründete Sexualwissenschaft war das Produkt einer intensivierten Betrachtung abweichenden menschlichen Verhaltens. Erst mit der Definition von „Homosexualität“ als das Andere geriet auch die „Heterosexualität“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Fokus der Wissenschaften. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird das binäre Konstrukt von „Homosexualität/Heterosexualität“ durch neue Begrifflichkeiten wie „Gender“, „Queer“ oder „LGBT*“ grundlegend in Frage gestellt und aufgebrochen. Diese Neubetrachtung menschlicher Sexualitäten erfolgt in der Phase der sich entfaltenden Globalisierung der Märkte, des Niedergangs medizinisch arbeitender sexualwissenschaftlicher Institute und der zunehmenden Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensweisen in der westlichen Welt. Parallel jedoch zeichnet sich die zunehmende Diskriminierung und Pathologisierung nicht-heterosexueller Sexualitäten jenseits der westlichen Welt ab, werden auch die historisch gewachsene „normale Heterosexualität“ und ihre Lebensweisen einem Wandel unterzogen.
„Was ist Homosexualität?“ – noch vor gut 20 Jahren hätte es auf die Frage zwar durchaus unterschiedliche, aber doch jeweils eindeutige Antworten gegeben. Im Kontext der rasanten Entwicklung der Sexualwissenschaften berührt sie heute die Frage nach Entstehung, Formierung und Veränderung sexueller Verhältnisse insgesamt. In über 20 Beiträgen stellen gerade jene WissenschaftlerInnen die Entwicklung der Homosexualitäten in den letzten 100 Jahren dar, die eine Neuorientierung der Sexualwissenschaft repräsentieren. Sie behandeln grundlegende Fragen und Definitionsentwürfe, beleuchten Theoriebildungen und Vernetzungen hin zu Trans* oder Queer und schildern die Entwicklungsgänge in Naturwissenschaften oder Kunst. Jeder Beitrag (einige in englischer Sprache) gibt so einen allgemeinverständlichen Überblick über sein Themengebiet und schließt mit einer ausführlichen Literaturliste, die zu weitergehenden Studien einlädt.